{"id":110,"date":"2014-07-12T10:30:13","date_gmt":"2014-07-12T08:30:13","guid":{"rendered":"http:\/\/konstruktivist.evaprinzip.de\/?p=110"},"modified":"2014-07-12T13:16:15","modified_gmt":"2014-07-12T11:16:15","slug":"wie-steven-spielberg-zum-grosswildjaeger-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konstruktivist.evaprinzip.de\/?p=110","title":{"rendered":"Wie Steven Spielberg zum Gro\u00dfwildj\u00e4ger wurde"},"content":{"rendered":"<figure style=\"width: 733px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/khq.images.worldnow.com\/images\/4191455_G.jpg\" alt=\"\" width=\"733\" height=\"447\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Der Ursprung des Shitstorms der keiner war<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Bild ersch\u00fcttert derzeit die Tierliebhaber in aller Welt. Nach Ex-K\u00f6nig Juan Carlos nun ein weiterer Prominenter bei der Gro\u00dfwildjagd erwischt. Ein gewisser Jay Branscomb hat dieses Bild ins Internet gestellt mit der Bitte es weiterzuverteilen, wenn man so etwas nicht mag. &#8211; Reingefallen &#8211;<\/p>\n<h3>Emotional vs. rational<\/h3>\n<p>Wenn man Menschen befragt ob sie eher rational vorgehen oder emotional handeln, dann \u00fcbersch\u00e4tzen viele den rationalen Anteil. Wir halten uns f\u00fcr \u00fcberwiegend Kopf-gesteuert und lassen Emotionen nicht zu. &#8211; Glauben wir &#8211;<\/p>\n<p>Das Beispiel oben ist nat\u00fcrlich pure Emotion. Und der Autor hat dieses Bild absichtsvoll mit dem tiefen Ton der Entr\u00fcstung ins Netz gestellt. Jay Branscomb ist in Wirklichkeit einer dieser Waffennarren aus den USA, die Schusswaffen im Privatbesitz f\u00fcr absolut richtig halten. Sein Plan ist aufgegangen:<\/p>\n<p>Der Facebook-Eintrag wurde zigtausend Mal geteilt, geliked, etc. Nat\u00fcrlich vermutlich zun\u00e4chst von Anh\u00e4ngern der Waffenlobby, dann aber zunehmend von Tierliebhabern und Tiersch\u00fctzern. Es kann ja auch nicht angehen, dass nun auch Steven Spielberg sich zu diesen Waffennarren schl\u00e4gt. -Wie schon gesagt: reingefallen &#8211;<\/p>\n<p>Im Original spricht Branscomb nur von &#8222;einem Mann, der ein Triceratops erlegt hat und nun davor posiert&#8220;. Ein Triceratops ist ein Dinosaurier und wir wissen alle, als die lebten gab es keine Kameras.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier nicht in Schadenfreude schreiben. Ich habe mich selbst oft genug dabei erwischt emotional zu argumentieren (und nat\u00fcrlich hat mein rationaler Anteil (<a title=\"PFC \u2013 der Pressesprecher f\u00fcr das Chaos\" href=\"http:\/\/konstruktivist.evaprinzip.de\/?page_id=80\" target=\"_blank\">der Pressesprecher PFC<\/a>) das gut begr\u00fcndet.<\/p>\n<h3>Ist emotional schlecht?<\/h3>\n<p>Die emotionale Komponente in uns ist vermutlich urgeschichtlich mit dem \u00dcbergang zum S\u00e4ugetier entstanden, lange bevor wir als Menschen zu existieren begannen. Sie ist notwendig damit der Nachwuchs auch nach der Geburt eine gewisse Pflege bekommt. Es hat sich sicher auch f\u00fcr die Bildung von Rudeln bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Aber heutzutage erscheint es uns altmodisch, ja nahezu falsch, gef\u00fchlsduselig zu sein. Auch dazu gibt es Experimente. Das bekannteste ist sicher lich der Versuch, in dem ein Proband einen anderen Stromst\u00f6\u00dfe verabreichen soll. Das w\u00fcrden Sie nie machen? Dann sollte man das Perfide an dem Experiment kennen.<\/p>\n<p>Zwei Personen betreten einen Raum. Es geht um das Thema &#8222;Lernen&#8220; &#8211; ein wissenschaftliches Experiment. Der Professor pers\u00f6nlich ist im weissen Kittel anwesend. Es wird gelost. Einer ist &#8222;Sch\u00fcler&#8220; und der Andere &#8222;Lehrer&#8220;. Zun\u00e4chst wird der &#8222;Sch\u00fcler&#8220; mit ein paar Elektroden beklebt. Dann gehen der Professor und der &#8222;Lehrer&#8220; in einen Nachbarraum, wo &#8222;Lehrer&#8220; und &#8222;Sch\u00fcler&#8220; sich h\u00f6ren aber nicht sehen k\u00f6nnen. Dort ist ein Regler und ein Knopf.<\/p>\n<p>Der Sch\u00fcler bekommt nun von Lehrer Wortkombinationen gesagt. Dann wird abgefragt. Macht der Sch\u00fcler es richtig werden die \u00dcbungen schwieriger. Mach der Sch\u00fcler es falsch, dann mu\u00df der Lehrer auf Anweisung des Professors die Voltzahl am Regler etwas aufdrehen, den Satz sagen: &#8222;Ich bestrafe Sie mit xx Volt&#8220; und den Knopf dr\u00fccken.<\/p>\n<p>Am Anfang ist das Feedback des Sch\u00fclers eher leidlich beunruhigt: &#8222;Das hat gezwickt&#8220;. Irgendwann wird er &#8222;Au&#8220; schreien und am Ende richtig laut vor Schmerzen schreien. Viele werden das Experiment irgendwann abbrechen. Einige machen weiter, selbst als der Sch\u00fcler schon gar nicht mehr antwortet und man wohl meinen sollte, er sei ohnm\u00e4chtig geworden.<\/p>\n<p>Das Experiment wurde von Amerikanern in Deutschland gestartet. Man wollte das latente Nazi-Denken der Deutschen damit zeigen. Allerdings musste man feststellen, dass das Experiment auch in anderen L\u00e4ndern und auch in den USA mit \u00e4hnlich erschreckenden Ergebnissen funktioniert. Der einzige Proband in diesem Experiment war der &#8222;Lehrer&#8220;, der &#8222;Sch\u00fcler&#8220; war nat\u00fcrlich ein Teil des Experiments und vorher eingewiesen. Die Auslosung am Anfang war gefaked.<\/p>\n<p>Hier w\u00fcrde das fr\u00fchzeitigere und st\u00e4rkere Einsetzen der Emotionen einen deutlichen Mehrwert darstellen. Man denke nur an die Pr\u00fcgelszenen, die man in letzter Zeit vermehrt durch \u00dcberwachungskameras zu sehen bekommt, in deene auf am Boden liegende Personen noch brutal eingeschlagen und getreten wird.<\/p>\n<h3>Rational + emtional<\/h3>\n<p>Wer diesen Blog und vor allem die Erkl\u00e4rungsseiten verfolgt, der wird wissen: ein Patentrezept gibt es nicht.&nbsp; Aber eine Regel kann man doch finden: Zwischen Aktion und unserer Reaktion gibt es sehr oft die M\u00f6glichkeit einen Zwischenschritt einzulegen.<\/p>\n<p>Erst denken, dann handeln.<\/p>\n<p>Das klingt wie eine Plattit\u00fcde und ist auch. Ohne Training wird das immer eine Plattit\u00fcde bleiben. Aber wir merken im Allgemeinen irgendwann, dass die Emotionen mit uns &#8222;durchgegangen&#8220; sind. Und wenn man dann wei\u00df, dass jetzt der rationale Anteil in uns nach Rechtfertigung sucht, kann man auch trainieren sich in die Rolle des Anderen zu versetzen.<\/p>\n<p>&#8222;Warum hat der Andere so reagiert?&#8220; &#8222;Wei\u00df ich nicht&#8220; &#8211; ist keine gute Antwort. Man kann m\u00f6gliche Gr\u00fcnde beim Anderen daf\u00fcr finden wenn man etwas intensiver nachdenkt und oft r\u00fchren die unsere Emotionen an. Hilfreich ist es solche Ereignisse schriftlich zu fixieren. Man kann diese Szene auch nachstellen und die Positionen markieren. Dann kann man versuchen in die Position des Anderen zu wechseln oder sich die Sache mal von aussen, sozusagen wie ein Beobachter zu betrachten. Solche \u00dcbungen lassen sich nat\u00fcrlich mit einer neutralen Unterst\u00fctzung efffektiver gestalten &#8211; als Teil eines Coachings.<\/p>\n<p>Und mit etwas intensiverer Auseinandersetzung mit dem Geschehen entdeckt man f\u00fcr sich Lernchancen um sich selbst zu verbessern. Und St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck kann es durch diese kleine \u00dcbung zur Achtsamkeit zu einer ausgewogeneren Balance zwischen emotionalen F\u00fchlen und rationalem Denken kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bild ersch\u00fcttert derzeit die Tierliebhaber in aller Welt. Nach Ex-K\u00f6nig Juan Carlos nun ein weiterer Prominenter bei der Gro\u00dfwildjagd erwischt. 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