{"id":134,"date":"2014-07-24T17:35:23","date_gmt":"2014-07-24T15:35:23","guid":{"rendered":"http:\/\/konstruktivist.evaprinzip.de\/?page_id=134"},"modified":"2014-07-30T15:07:47","modified_gmt":"2014-07-30T13:07:47","slug":"wer-oder-was-bin-ich","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/konstruktivist.evaprinzip.de\/?page_id=134","title":{"rendered":"Wer oder was bin ICH?"},"content":{"rendered":"<p>Wer bin ich? ist doch leicht zu beantworten, oder? Ich blicke an mich herunter, sehe meine Arme, meine Beine und alles das dazu geh\u00f6rt. Das bin ich.<br \/>\nMacht unser K\u00f6rper als das ICH in seiner Masse aus? Leider nein, denn wenn die Person tot ist, dann billigen wir dem K\u00f6rper nicht mehr zu ein ICH zu repr\u00e4sentieren. Sie merken schon: es wird philosophisch.<\/p>\n<p>Bleiben wir aber beim Leben. Der franz\u00f6sische Philosoph Rousseau hatte sich \u00c4hnliches gefragt. Wenn mein K\u00f6rper mit allem drum und dran das ICH repr\u00e4sentiert und mir wird ein Finger abgetrennt, bin ich dann noch 100% ICH? Die Antwort ist doch wohl ja. Und damit kommt man zu der Frage, was denn das ICH eigentlich ausmacht, wenn es f\u00fcr dessen Bestand egal ist ob man Gliedmassen verliert.<\/p>\n<p>Man kann es auch weniger martialisch erforschen. Man legt eine k\u00fcnstliche Hand neben die des Probanden und verdeckt die Sicht auf dessen eigene Hand mit einer Blende. Dann beginnt eine zweite Person beide H\u00e4nde (die k\u00fcnstliche und die verdeckte) gleichm\u00e4ssig zu streicheln. Nach kurzer Zeit kann man aufh\u00f6ren die eigene Hand des Probanden zu streicheln. Der Blick auf die k\u00fcnstliche Hand erweckt beim Probanden das Gef\u00fchl weiterhin gestreichelt zu werden. \u00c4hnliche Techniken nutzt man bei Phantomschmerzen in amputierten Armen. Dort nutzt man einen Spiegel um mittels des funktionierenden Armes das Spiegelbild des amputierten Armes wiederzubeleben.<\/p>\n<p>Und um es wieder etwas gruseliger zu machen: Es gibt Menschen, die haben das Gef\u00fchl ein Bein oder ein Arm geh\u00f6rt nicht zu ihnen, obwohl sie diese vollends gut bewegen k\u00f6nnen. Diese Vorstellung reicht soweit, dass sie dieses K\u00f6rperteil so sch\u00e4digen, dass es amputiert werden mu\u00df. Und danach sind diese Menschen zufrieden.<\/p>\n<p>Die Konstruktivisten sehen darin klare Anzeichen, dass unsere Vorstellung des ICHs ein Konzept unseres Gehirns ist, dass uns die Steuerung unseres Lebens erst erm\u00f6glicht. Das ICH gleicht seine Erkenntnisse zwar immer wieder mit der Umwelt ab. Aber wenn es uns nicht plausibel erscheint, was da gerade passiert, dann werden wir dagegen vorgehen. Dabei k\u00f6nnen wir unter Umst\u00e4nde Moral und Recht ausblenden oder so biegen, dass wir aus unserer Sicht richtig handeln.<\/p>\n<p>Das wirkt seltsam auf Andere, wenn jemand sich von funktionierenden Teilen seines K\u00f6rpers trennen will. Befremdlich wirkt aber auch beispielsweise der Fall Mollath in einigen Aspekten. Wenn beispielsweise der N\u00fcrnberger Handballclub im Zentrum einer Verschw\u00f6rung steht. Oder wenn eine Hebamme mutma\u00dflich versucht werdende M\u00fctter umzubringen. Oder ein Hundebsitzer von Einem erschossen wird, der vorgibt Angst vor Hunden zu haben (ein logisch denkender Mensch h\u00e4tte doch den Hund versucht zu treffen, oder?). Wir werden hinter die Irrungen und Wirrungen des Gehirns zum Zeitpunkt der Tat nicht viel Licht bringen. Denn bis man den Schuldigen befragt hat sein Pressesprecher (der PFC) eine mehr oder minder kluge Erkl\u00e4rung ausgegoren.<\/p>\n<p>Das Konstrukt ICH ist eine hilfreiche Erfindung des Menschen. Es l\u00e4\u00dft Handlungen jemanden zuordnen und der war bestenfalls von Sinnen oder eben klar bei Verstand. Das hilft uns \u00fcber dieses Konstrukt Kategorien wie etwa Moral und Recht zu st\u00fclpen und danach dann die Handlung zu be- und zu verurteilen. Aber verstehbar werden diese Taten trotzdem dadurch nicht.<\/p>\n<h3>Fazit:<\/h3>\n<p>Das ICH ist ein Konsrukt, da\u00df die Handlungen des Menschen entlang seiner (oft unbewu\u00dft) erlernten Mustern, Regeln, Pr\u00e4gungen etc. und durch seine nachgelagerte \u00dcberlegungen charakterisiert.\u00a0 Das ICH entwickelt die Biographie des Lebens aus seinen Handlungen und den dadurch entstehenden (subjektiv wahrgenommenen) Ergebnissen.<\/p>\n<blockquote><p>Dazu eine kleine Geschichte: Eine Person ist ein Leben lang auf einem U-Boot. Es hat alle Ger\u00e4te von seinen Eltern erlernt. Dieses U-Boot taucht nun vor Ihnen auf. Und sie gratulieren dem Kapit\u00e4n zu der tollen Tauchfahrt. &#8222;Wie Sie Klippen umschifft haben um den Stand hier zu erreichen ist toll&#8220;. Der Kapit\u00e4n versteht sie nicht. Er kennt nur seine Anzeigeger\u00e4te, sein Sonar, H\u00f6henanzeige, etc. Klippen, Str\u00f6mungen, Untiefen sind Begriffe, die er nie geh\u00f6rt hat. Er k\u00f6nnte Sie nur verstehen, wenn man es ihm anhand seiner Ger\u00e4te erkl\u00e4ren k\u00f6nnte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und so ist es bei jedem ICH. Das ICH versteht die Welt nur innerhalb der Parameter, die es gelernt hat.<\/p>\n<p>Lesen Sie als n\u00e4chstes: <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer bin ich? ist doch leicht zu beantworten, oder? Ich blicke an mich herunter, sehe meine Arme, meine Beine und alles das dazu geh\u00f6rt. Das bin ich. Macht unser K\u00f6rper als das ICH in seiner Masse aus? 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